Interview

Gewichtheben in der Schwangerschaft – ein Interview mit Julia Schwarzbach

Julia Schwarzbach ist die erfolgreichste deutsche Gewichtheberin und blickt auf eine Karriere mit mehreren Medaillen bei Europameisterschaften, zahlreichen Deutschen Rekorden sowie die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking 2008 und London 2012 in der Gewichtsklasse bis 53 kg zurück.

Nun hat sie ihre leistungssportliche Karriere beendet, dennoch spielt Gewichtheben immer noch eine große Rolle in ihrem Leben und sie hat uns erzählt wie das Training mit der Langhantel sie in ihrer Schwangerschaft und auch nach der Geburt ihres ersten Kindes unterstützt hat.

Isa: Hallo Julia, man hat dich auch mit Babybauch regelmäßig in der Trainingshalle gesehen. Gewichtheben in der Schwangerschaft ruft vor allem bei Außenstehenden bestimmt Skepsis hervor. Wie hast du trainiert und welche Auswirkungen hatte das Training auf deine Schwangerschaft?

Julia: Ich hatte eine Weile vor meiner Schwangerschaft bereits meine sportliche Karriere beendet und nicht mehr auf dem Niveau der vergangenen Jahre trainiert. Gewichtheben ist für mich jetzt Entspannung und Ausgleich zum Alltag. Ich habe bis zum Mutterschutz Vollzeit im Büro gearbeitet und das Training war für mich wie eine kleine Auszeit. Sport in der Schwangerschaft ist in erster Linie dazu da um das Wohlbefinden zu steigern. Ich muss ehrlich sagen, ich wollte einfach nicht wie ein Wal auf der Couch liegen, sondern mir und meinem Körper etwas Gutes tun. Die Stunde in der Trainingshalle war Zeit für mich, in der ich den Kopf abschalten konnte und mal nicht darüber nachgedacht habe, was ich noch alles erledigen und besorgen muss.

Nachdem ich von meiner Schwangerschaft erfahren habe, musste ich natürlich mein Training ein bisschen umstellen. Ich habe von Beginn an auf die Wettkampfübungen Reißen und Stoßen verzichtet, aber wie sagen die Gewichtheber so schön „Züge und Kniebeuge gehen immer“.  Ich habe bis zur 30. Schwangerschaftswoche zweimal pro Woche Gewichtheben bzw. Krafttraining gemacht. Als der Babybauch irgendwann zu groß wurde, gingen die Züge nicht mehr vom Boden und ich bin auf den Powerzug, also Zug aus dem Hang umgestiegen, weil es einfach angenehmer war.
Die klassische Kniebeuge ist wohl die beste und einfachste Übung zur Stärkung des Beckenbodens. Auf Bauchmuskeltraining habe ich während der kompletten Schwangerschaft verzichtet, auch weil es einfach unangenehm ist. Aber was ich uneingeschränkt empfehlen kann sind Übungen für den Rücken. In der Schwangerschaft verlagert sich der Schwerpunkt ja etwas und der Rücken muss viel ausgleichen. Da der Rückenstrecker enorm wichtig ist, habe ich Rumpfaufrichten mit der Langhantel (engl. Good Mornings) oder auch am Gerät gemacht. Es gibt natürlich auch viele andere stabilisierende Übungen, es muss nicht schwierig oder ausgefallen sein und vor allem braucht man nicht unbedingt viel Equipment. Einfache Übungen wie Unterarmstütz (engl. Plank hold) sind meistens sogar die bessere Alternative.

Isa: Jetzt ist der Kleine ja schon eine Weile da, du hattest schon einen Wettkampf für deinen Verein und wiegst auch bereits wieder so viel wie vor der Schwangerschaft. Hatte das vorherige Training Einfluss auf die Geburt und wie hast du nach der Geburt wieder angefangen zu trainieren und vor allem auch abgenommen?

Julia: Ich musste nach der Geburt keinen Rückbildungskurs machen. Das ist gewiss auf das regelmäßige Training vor und in der Schwangerschaft zurückzuführen. Man soll ja 6-8 Wochen nach der Geburt noch keinen Sport machen, ich habe nach 10 Wochen wieder mit regelmäßigem Training angefangen. Auf Bauchmuskeltraining habe ich am Anfang noch verzichtet und mich natürlich auch bei den anderen Übungen wieder langsam ran getastet. Im Grunde genommen ging alles aber recht schnell, auch mit dem Abnehmen der überflüssigen Kilos aus der Schwangerschaft.  Ich habe zwar einiges zugenommen, was natürlich auch normal ist, aber ich habe mich in der Schwangerschaft nicht gehen lassen und wahllos alles gegessen was ich wollte. Man muss nicht auf einmal für Zwei essen. Das Kind nimmt sich sowieso immer was es braucht und einfach normal und ausgewogen weiter essen wie vor der Schwangerschaft ist schlussendlich eine reine Frage der Disziplin. In der Stillzeit habe ich nicht abgenommen und auch erst danach wieder voll und ohne Einschränkungen trainiert. Ich kann allen Frauen nur raten in der Schwangerschaft weiterhin Sport zu machen und nicht plötzlich damit aufzuhören. Gewichtheben ist weder schädlich für das Kind noch für die Mutter, sondern hat vor allem positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden. Man sollte natürlich nicht übertreiben, aber instinktiv merkt man welche Übungen gut tun und welche eher unangenehm sind. Am wichtigsten ist es, dass man sich als werdende Mutter auch mal Zeit für sich nimmt und Training ist da eine gute Möglichkeit.

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ÜBER DEN AUTOR

Isa

Crossfitterin und Bundesliga-Gewichtheberin